5 Fragen zum Thema IPA mit Thomas Tyrell von Stone Brewing

Thomas Tyrell

Das India Pale Ale gilt nach wie vor als das Flagschiff der Craftbeer-Bewegung. Die (nicht immer richtig überlieferte) Geschichte dieses Bierstils kennt wohl jeder, der sich irgendwie mit Craftbeer auseinandersetzt. Außerdem wird das IPA gerne hergenommen, wenn es darum geht, Neulinge vom Thema "Craftbeer" zu überzeugen. Die volle Bandbreite der verschiedenen Aromahopfen-Sorten wird nirgends so stark sichtbar, wie beim IPA. An sein erstes IPA erinnert man sich ein Leben lang.
Wir haben Thomas Tyrell, Braumeister bei Stone Brewing Berlin, 5 Fragen zum India Pale Ale gestellt. Wenn sich jemand mit IPAs auskennt, dann er.
1. Welche Fehler gilt es beim Brauen eines IPAs zu vermeiden?
Ein IPA ist ein sehr starkes Bier mit einem Alkoholgehalt von um die 7 %. Dies kann der Hefe zu schaffen machen und es muss im Besonderen auf die Gesundheit der Hefe geachtet werden. Setzt der Brauer hier nicht die richtigen Akzente wird oft der gewünschte Vergärungsgrad nicht erreicht. Dies ist einer der größten Fehler, dass das Bier dann sehr mastig wird. Ein anderer wichtiger Aspekt ist natürlich die Auswahl und der richtige Einsatz des Hopfens.
2. Stone steht für den typischen Westcoast IPA Stil. Was macht diesen Stil für dich aus bzw. was grenzt ihn von anderen IPAs ab?
Der Westcoast Stil ist prinzipiell weniger fruchtig in seiner Aromanote, vielmehr kommen harzige an Tannennadel erinnernde gepaart mit Citrus Noten stärker zum Tragen. Es ist jedoch sehr schwierig diesen Stil einzugrenzen, da die Experimentierfreudigkeit (die wir uns ja auch wünschen) der Brauer im Besonderen beim Einsatz neuer Hopfensorten die Grenzen der Einteilung in diese verschiedenen IPA Stile verschwinden lässt. Daher bin ich selbst kein Freund von dieser Kategorisierung. Ich finde es persönlich besser IPAs nach Ihren Bittereinheiten und über die eingesetzten Hopfensorten bei der späten Sudhausgabe und im Keller einzuteilen. Das gibt die Vielfalt dieses Bierstils meines Erachtens besser wieder.
Man stelle sich mal vor, dass in Zukunft ein breites Publikum die Hopfensorten ähnlich selbstverständlich kennt wie Rebsorten beim Wein…..
3. Vor allem für das Stopfen von IPAs werden oft riesige Mengen an Aromahopfen benötigt. Je größer die internationale Craftbeer-Szene wächst, desto größer wird hier die Nachfrage. Doch das Angebot ist begrenzt. Wo siehst du hier einen Lösungsansatz? Sind weniger hopfenintensive Biere der logische Schritt oder werden neue Hopfenanbaugebiete erschlossen?
Also weniger hopfenintensive Biere ist jetzt nicht Euer Ernst, oder? ;) Klar, die Hopfenknappheit führt hier und da bei der Rezepturfindung zu neuen Ansätzen. Der logische Schritt ist aber einfach die europäische Entwicklung bei den Hopfensorten genau zu beobachten. Zur Zeit dominieren charakterstarke Hopfensorten aus den amerikanischen Anbaugebieten die europäischen Craftbiere. Aber es kann nicht einfach jeder Hopfen importiert werden, da er den strikteren europäischen Richtlinien entsprechen muss. Das verknappt die Verfügbarkeit in Europa zusätzlich. Auf der anderen Seite ist in Europa der Anbau besonderer Aromasorten für „Craft“Biere noch weit hinter der Entwicklung der USA. Viele Anbauversuche und Züchtungen sind jedoch vielversprechend, auch kennt man nicht mal das Aroma Potential in der Kalthopfung bei vielen etablierten Hopfen. Ich gehe davon aus, dass wir bald viele neue charakterstarke Hopfensorten aus den traditionellen europäischen Anbaugebieten für unsere Kreativbiere nutzen.

4. Gibt es Hopfensorten, mit denen du besonders gerne braust bzw. gibt es Hopfensorten, die in einem IPA überhaupt nicht funktionieren?
Ein Hopfen mit dem ich gerne braue ist Centennial. Klar, unser IPA wird von diesem Hopfen dominiert.
Es ist aber immer die Kombination der Hopfen die in eine Balance zu bringen ist. Manche Hopfensorten können im Hintergrund wirken und das Aromaprofil einer anderen Sorte sehr gut abrunden und zur Geltung bringen. Ich denke da zum Beispiel an die Sorte Mosaic, die sehr intensiv ist und die man auch schon mal überdosieren kann.
5. Was sind deine Top 3 IPAs?
Habe ich nicht. Ich bin immer wieder fasziniert von der Vielfalt, den dieser Bierstil bietet und kann mich daher einfach nicht festlegen. Unser Ruination double IPA ist aber schon einer meiner Favoriten.