Sur Simcoe (To Øl)

To Ol Sur Simcoe

Das Auge trinkt mit. Besonders bei Craftbeer. Kunstvoll gestaltete Etiketten gehören für viele von uns "Hop Heads" genauso dazu, wie exzellenter Flascheninhalt. Beim heutigen Review ging mir eine Frage deshalb nicht aus dem Kopf: Wie sehr beeinflusst das Etiketten-Design (oder etwas weiter gesponnen: die komplette Bildsprache einer Brauerei) unser Geschmacksempfinden?

Beurteile ich ein hervorragendes Bier z.B. schlechter, weil es außerordentlich übel verpackt ist? Oder kann ein ansprechendes Design über Qualitäts-Mankos beim Bier selbst hinwegtäuschen? Beim "Sur Simcoe" von To Øl wird mir erneut bewusst, wie schwer diese Frage zu beantworten ist. Das Sur Simcoe ist ein saures, mit Simcoe gehopftes Pale Ale, das man genauso gut auch als American Wild Ale klassifizieren könnte. Muss man aber nicht, denn auf den Geschmack kommt es ja an. Oder? Eben nicht nur. Diese wunderschöne, weiße Dose mit dem stilvollen, floralen Design von Kasper Ledet lenkt mich nämlich immer wieder vom Geschmack ab. Doch zurück zum Bier: Trüb, gold-gelb steht es im Glas mit einem dicken, weißen Schaum, der nicht mehr ganz als feinporig durchgeht. Bei einem Sauerbier aber auch keine Schande. In der Nase dominiert zwar der typisch-fruchtige (und wundervolle) Simcoe-Geruch, im Hintergrund schwingen aber schon die Noten eines Wild Ale mit. Auch wenn einen hier nicht die Pferdedecken-Brettanomyces-Attacke eines Orval erwartet; in Ansätzen lassen sich durchaus Parallelen erkennen. Wer schon mal ein Brett-IPA getrunken hat, kennt diese Kombination aus Hopfenaromatik und belgischer "Funkyness". Ich mag das. Im Antrunk ist das Sur Simcoe unglaublich erfrischend. Kräftige Zitrusnoten und viel Säure, gepaart mit einer relativ hohen Rezenz, lassen den Gaumen jubilieren. Interessanterweise schwingt irgendwo noch eine saline Note mit. Man ist stellenweise an eine Gose erinnert. Auch wenn Salz hier gar keine Verwendung fand. Hinten raus wird es dann nochmal richtig knackig bitter. Das trägt durchaus zum erfrischenden Gesamtpaket dieses Bieres bei. Auch wenn, und hier liegt mein einziger Kritikpunkt, die Bittere noch lange nachhallt und die erfrischende Säure fast komplett verdrängt. Doch dann werfe ich wieder einen Blick auf diese wunderschöne Dose und bin versöhnt. "Ein wunderbares Bier", denke ich mir und merke, wie die Verpackung eben doch auf den Inhalt abfärbt... Fazit: Wenn euch mal ein Exemplar über den Weg läuft, unbedingt zugreifen! Ein wirklich schönes Session Ale für Sauerbierfans. In einer wirklich schönen Dose. 8 von 10 Punkte (Musik bei Verkostung: "Wake of the Flood" - The Grateful Dead)