Was ist Sauerbier?

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Ist Sauerbier ein eigener Bierstil?

Nein. Sauerbier genau zu kategorisieren ist gar nicht so leicht. Im Grunde genommen handelt es sich um einen Überbegriff von Bieren, die (in unterschiedlichem Ausmaß) sauer sind. Dazu gehören zahlreiche Bierstile mit unterschiedlichen Ursachen für die Säure im Bier. Allen gemein ist die Tatsache, dass die Säure gewollt ist und nicht Folge eines Braufehlers. Ein umgekipptes, altes Helles als Sauerbier zu bezeichnen wäre also nicht zielführend.

Welche Unterarten von Sauerbier gibt es?

Wie bereits erwähnt, gibt es viele verschiedene Bierstile, die dem Sauerbier untergeordnet werden können. Hierzu zählen vor allem belgische Stile, wie

Doch auch alte deutsche Bierstile sind sauer oder zumindest säuerlich. Man denke nur an die Berliner Weisse oder die Gose. Nicht alle dieser Bierstile sind von einer intensiven Säure geprägt (eine Gose beispielsweise kann auch nur salzig-erfrischend sein). Darüber hinaus gibt es moderne Interpretationen dieser Bierstile, bei denen häufig mit wilder Hefe gearbeitet wird. In der Regel spricht man hier von Wild Ales oder „mixed fermentation sours“ 

Was macht Sauerbier sauer?

Wie eingangs kurz angedeutet ist die Säure im Sauerbier gewollt. Um diese Säure ins Bier zu bekommen, gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, die jedoch alle auf einer bewussten Infektion während der Gärung basieren. Verantwortlich für den charakteristischen Geschmack der meisten Sauerbiere sind Bakterien. Hier kann zwischen dem sogenannten Lactobazillus (Milchsäure-Bakterium) und dem Pediococcus, ebenfalls ein Milchsäure produzierendes Bakterium, unterschieden werden.

Darüber hinaus greifen viele Brauer auf sogenannte wilde Hefen, wie Brettanomyces zurück. Diese unkultivierten Hefen (Brettanomyces findet sich zum Beispiel auf Obstschalen), verleihen dem Sauerbier nicht unbedingt seine Säure, sind aber für komplexe Geschmacksrichtungen verantwortlich, die die Säure sehr schön unterstreichen. Brettanomyces findet darüber hinaus natürlich auch in vielen nicht saueren Bieren Verwendung. 

Wie schmeckt Sauerbier?

Sauer, so viel ist schon mal klar. Trotzdem gibt es hier eine immense Bandbreite an Geschmäckern. Manche Sauerbiere beispielsweise erinnern stark an Balsamico-Essig (man denke an das belgische Rodenbach), andere hingegen weisen eine spritzige, an Zitrusfrüchte erinnernde Säure auf. Wieder andere werden mit Champagner assoziiert. Selbst tropisch-fruchtige Noten kann ein Sauerbier aufweisen, es gibt zahlreiche Beispiele aus den USA, wo aus einem klassich-fruchtigen Pale Ale ein Sour Pale Ale oder ein Brett IPA wurde. 

Welche Speisen eignen sich besonders zu Sauerbier?

Genauso unterschiedlich, wie Sauerbiere schmecken können, gestalten sich die Speiseempfehlungen. Trotzdem eignen sich vor allem leichtere Speisen, wie Sommersalate oder Fischgerichte (auch Sushi). Vor allem bei manchen belgischen Sauerbieren funktionieren reife, komplexe Käsesorten sehr gut. Oder aber man verzichtet auf die Speise und nimmt das Sauerbier als Aperitif! 

Welche Brauereien spezialisieren sich auf Sauerbier?

Hier sind zuallererst die alten Klassiker zu nennen. Belgische Traditions-Brauereien, wie Cantillon, Boon, oder Rodenbach produzieren seit Generationen hervorragende Sauerbiere und gelten weltweit als Benchmarks. Im gut sortierten deutschen Craftbeer-Handel kommt man inzwischen recht gut an diese Biere. Auch in den USA gibt es zahlreiche Brauereien, die sich auf Saures spezialisieren. Hier hat sich in den letzten Jahren wahnsinnig viel getan, der Sour-Hype hat in den USA seinen Zenith sogar schon überschritten. Nennenswerte amerikanische Brauereien, die fast schon Kultstatus genießen sind The Bruery, Lost Abbey oder Jester King.

Gottseidank gibt es auch hierzulande immer noch Brauer, die richtig gutes Sauerbier machen. Egal ob die traditionelle Ritterguts Gose aus Leipzig oder moderne Craft-Brauereien wie Schneeeule aus Berlin mit ihrer Berliner Weisse: Es tut sich was, und das ist gut so.

Welche Sauerbiere eignen sich für den Einstieg?

Sauerbier ist nicht jedermanns Geschmack. Trotzdem lohnt es sich, dem Thema zumindest eine Chance zu geben. Hier eignen sich weniger intensive Sauerbiere, wie die Gose oder die Berliner Weisse wohl am ehesten. Wem diese Bierstile zusagen, der kann sich Schritt für Schritt an weitere wagen: die Geuze, fruchtige Lambics, dann Flanders Red Ales usw.

Sicher ist: Sauerbier ist Übungssache. Was beim ersten mal nicht schmeckt, kann nach ein paar Jahren die reinste Offenbarung sein.