Old Age IPA (Pax Bräu)

Pax Brau Old Age IPA

Der allererste Biertest, den ich je für die Craftbeer Revolution gemacht habe, war ein Bier von Pax. Genauer gesagt das Cissy IPA. Ich hatte mir das Bier damals ganz bewusst ausgesucht, weil Pax Bräu seit eh und je eine gewisse Faszination auf mich ausübt. Diese abgefahrenen Etiketten, das kompromisslose Festhalten am 1 Liter-Format, die bodenständig-fränkische Art von Braumeister Andreas Seufert – irgendwie war das schon immer genau meins.

Hinzu kommt, dass ich das Vollbier von Pax nach wie vor für eines der besten deutschen Biere halte. Umso tragischer ist es, dass ich nur selten Pax-Biere im Keller habe. Die Dinger sind nämlich gar nicht so einfach zu bekommen im Münchner Süden. Was will ich damit sagen? Ich freue mich wahnsinnig auf den heutigen Biertest. Es handelt sich nämlich um das "Old Age IPA" von Pax. Ein relativer Neuzugang im Sortiment der sympathischen Craft-Brauerei aus der Rhön. Das "Old Age" im Namen bezieht sich nicht auf eine lange Reifung in irgendwelchen Eichenfässern. Vielmehr ging es Andreas Seufert bei diesem Bier darum, ein Relikt aus alten Zeiten wieder aufleben zu lassen. Um es mit seinen Worten zu sagen: "Dies ist mein Versuch ein möglichst ursprüngliches IPA herzustellen. Und zwar so, wie es gewesen sein mag zu der Zeit, als die ersten IPAs auf dem Seeweg nach Indien geschickt wurden. Meine Annahme dazu beruht darauf, dass damals fast alle Biere rauchig waren, da in der vorindustriellen Zeit das Grünmalz in unseren Breitengraden nicht mit Sonnenkraft getrocknet werden konnte, sondern mit dem Rauch eines Feuers. Nach meinen Recherchen sollen die Hopfensorten Golding und Fuggles zu den früh in Britannien kultivierten Hopfensorten gehören. Also rein damit, am besten viel und als Dolden. Um eine stilechte Umsetzung zu garantieren, möchte ich den Sud in einem der benachbarten Kommunbrauhäuser einbrauen. Richtig schön mit einer holzbeheizten Sudpfanne und dem Ausschlagen via Hopfenseiher aufs Kühlschiff, wo er dann über Nacht abkühlen darf..." (Pax Jahreskalender 2015). Ist das nicht wahnsinnig spannend? Ein Bier zu trinken, das geschmacklich dem sehr nahe kommt, was unsere Vorfahren getrunken haben? Genau deshalb bin ich auch ein großer Schlenkerla-Fan, doch das nur am Rande. Und nun endlich zum "Old Age IPA" selbst: Ins Glas ergießt sich ein sehr trübes, bernsteinfarbenes Bier mit einem mittelporigen Schaum, der sich (zumindest im Spiegelau-Glas) recht schnell verabschiedet. Für ein IPA ist das Ganze schon mal relativ dunkel. Ich bin gespannt. In der Nase die erste große Überraschung: Rauch. Jede Menge Rauch. Ich muss gestehen, dass ich mich im Vorfeld kein bisschen mit der Hintergrundgeschichte des Old Age IPA befasst habe. Erwartet hatte ich dementsprechend fruchtig, tropische Noten, vielleicht etwas malziger als die modernen IPAs. Denkste. Streng genommen haben wir es hier mit einem obergärigen Rauchbier zu tun. Dieses Bier riecht nach Freilichtmuseum, nach altem, verkokelten Holz und nach Geschichte. Am Gaumen setzt sich der rauchige Eindruck fort, auch wenn der Hopfen doch noch durchkommt. Das ist auch gut so, denn irgendwie muss sich das "IPA" im Namen ja rechtfertigen lassen. Im Antrunk wirkt das Ganze fast süßlich, während sich weiter hinten starke Bitternoten bemerkbar machen. Eine spannende Geschichte, die durch einen Hauch von Lakritz und Kräuteraromen ihren Höhepunkt erreicht. Fazit: Wenn IPAs früher so geschmeckt haben, dann würde ich hiermit gerne eine Zeitreise buchen. Nicht, dass ich diese rauchige Variante mit wenig Frucht besser finde, als moderne Interpretationen des Bierstils. Aber ab und zu über den Tellerrand zu blicken und die Wurzeln unserer Bewegung zu würdigen, macht einfach Spaß. Und schmeckt extrem geil. Musik bei Verkostung: Mastodon "Leviathan"