Was ist ein New England IPA?

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Um einen Begriff kommt der Craftbeer-Liebhaber zur Zeit nicht wirklich herum: „New England IPA“ (auch bekannt als NEIPA oder Vermont IPA oder Hazy IPA oder Juicy IPA oder Milkshake IPA usw.). Instagram und Facebook quellen geradezu über vor trüben Bieren, die eher an Orangensaft erinnern und überall hört man nur noch von diesen fruchtigen, cremigen IPAs, die eine völlig neue Geschmackserfahrung versprechen. Wir sind der Sache mal auf den Grund gegangen.

Milkshake mit Hopfen: Was ist ein New England IPA?

Angefangen hat der Legende nach alles mit dem berühmten „Heady Topper“ von The Alchemist aus Vermont. Dieser Urtyp des New England IPA besticht durch seine trübe, orange Farbe und eine überwältigende Fruchtaromatik. Und damit sind wir auch schon bei den beiden Hauptcharakteristika dieses Bierstils (wenn wir ihn mal so nennen dürfen, denn klassifiziert ist er noch nicht): extrem trüb und extrem fruchtig mit relativ wenig Bittere. Hier wird klar, worin der eigentliche Unterschied zum klassischen West-Coast IPA besteht: Es geht nicht um hohe IBU-Werte und auch nicht um harzige, kräuterartige oder pinienartige Noten, sondern nur um die tropischen Früchte und die hohe drinkability, die auch dank des etwas niedrigeren Alkoholgehalts gewährleistet ist (5.5 - 8% vol.).

 

Fruchtig und trüb: Wie kommt das zustande?

Beim Brauen eines NEIPAs müssen einige, wichtige Schritte beachtet werden, um das gewünschte Resultat zu erzielen. Diese sind im Einzelnen:

1. Späte Hopfengabe
Im Gegensatz zu bitteren IPAs, darf der Hopfen hier nicht zu früh an die heiße Würze, um die Extraktion von zu vielen Bitterstoffen zu vermeiden. Bei vielen NEIPAs wird der (Aroma-)Hopfen daher erst sehr spät beigegeben, der Fokus liegt auf dem Whirlpool und dem Hopfenstopfen, um wirklich nur die fruchtigen Aromen zu erhalten. Beliebte Hopfensorten bei NEIPAs sind Mosaic, Amarillo oder Simcoe.

2. Verwendung von Hafer- und Weizenflocken
Kein Muss aber durchaus hilfreich: Durch die Hinzugabe von Hafer- und Weizenflocken beim Einmaischen erhalten NEPIAs ihr cremiges Mundgefühl und natürlich auch ihre Trübung (wobei diese allgemein den ungefilterten Resten aus Hefe, Malz und Hopfen zu verdanken ist).

3. Mittelstarke Karbonisierung
Nicht zuletzt bestechen die meisten NEIPAs durch ihre geringe Rezenz, also eine niedrige bis mittelstarke Karbonisierung, was der Trinkbarkeit definitiv zugute kommt.

 

Berühmte Vertreter des New England IPA

Wie bereits erwähnt, gilt der Heady Topper aus Vermont als Urvater aller NEIPAs – auch wenn dieser mit knapp 120 IBU und 8% vol. ein eher bitterer Vertreter ist, der oft auch unter der „Double IPA“-Flagge segelt.
Darüber hinaus finden auch europäische Brauer so langsam Gefallen an der trüben Fruchtexplosion. Nennenswert sind z.B. das Brewdog vs. Cloudwater NEIPA aus Großbritannien oder das „Perler for Swin“ von Lervig aus Norwegen.
Doch auch vor der eigenen Haustüre wird man inzwischen fündig: Fürst Wiacek aus Berlin brachten mit ihrem „A quick one while she’s away“ das wohl erste deutsche NEIPA auf den Markt und Bierol aus Österreich begeisterten auf der diesjährigen Braukunst Live mit ihrem „El Presidente“ die Besucher.

 

Fazit

Beim New England IPA dürfte es sich um mehr als nur einen kurzzeitigen Trend handeln. Jeder, der schon mal eine dieser erfrischenden Fruchtbomben im Glas hatte, wird nicht mehr davon loskommen. Spätestens im Sommer werden auch deutsche Grillpartys geprägt sein von trüben, aromatischen Bieren, die genauso gut auch als Orangensaft durchgehen könnten.