5 Fragen zum Thema "Fassreifung" mit Christian Hans Müller

hans christian mueller

Backbone Splitter, Bayerisch Nizza, Black Nizza - die Biere aus der Schmiede von Christian Hans Müller sind aus deutschen Craftbeer-Regalen nicht mehr wegzudenken. Der Aschaffenburger hat innerhalb weniger Jahre nicht nur eine starke Marke aufgebaut, sondern auch Biere auf konstant hohem Niveau produziert. Doch anstatt sich auf dem erarbeiteten Ruhm auszuruhen, geht Müller immer neue, spannende Wege. Seine aktuelle Leidenschaft: Fassreifung (sein "Black Nizza" reift derzeit in Whiskey Fässern). Wir haben ihm 5 Fragen zu diesem Thema gestellt und durchaus interessante Antworten erhalten:

1. Hast du einen Favoriten unter den fassgereiften Bieren dieser Welt? Irgendein Bier, das dich inspiriert hat?

Ja klar, das Bourbon County Stout von Goose Island. Ein Imperial Stout, was in Bourbon-Fässern gelagert wurde und auf schlappe 14 % Alkohol kommt. Das war das erste Mal, dass ich von solch einem Bier geradezu „geflasht“ wurde, noch lange bevor Goose Island bei AB InBev integriert wurde. Für mich ein Muss, jedes Mal, wenn ich in Chicago bin. Ich erinnere mich an viele schöne Abende in Lake Bluff, bei meinem Schwager im Garten… mit diesem Bier aus dem stiltypischen „Snifter“, einer illegalen kubanischen Zigarre, einem Whiskey aus der Region und Männergesprächen. Der Himmel hat sicher nicht mehr zu bieten.

2. Welche Fehler kann man bei der Fassreifung machen bzw. was würdest du einem Brauer raten, der sich zum ersten mal an das Thema heranwagt?

Jedem Brauer müsste eigentlich klar sein, dass auch hier Sauberkeit und Hygiene über allem zu stehen hat. Ich achte darauf, dass die zu belegenden Fässer erst kurz davor entleert und nicht unnötig transportiert werden. Daher fülle ich mein Bier in Kegs und belege die Fässer beim Destillateur, dessen Interesse ja auch darin besteht, dass die Fässer nicht leer rum stehen. Wenn was Hochprozentiges drin war, sind die Fässer dadurch steril genug. Ein Ausspülen würde dem wieder entgegenwirken. Dann sollten die Schläuche zum Befüllen stets bis zum Fassboden reichen, sodass immer von unten nach oben befüllt und nicht „reingeplätschert“ wird. Zum einen vermeide ich dadurch mögliche Kontaminationen und zum anderen kann ich besser schaumarm füllen, da das Bier zu dem Zeitpunkt noch Kohlensäure enthält. Wenn mal was überläuft, keine alten Lappen zum Wegwischen nehmen und immer schön desinfizieren. Dann klappt das schon.

3. Das Thema "fassgereifte Biere" ist in Deutschland noch relativ jung. Glaubst du, dass dieser Bereich an Relevanz gewinnen wird?

An Relevanz ganz sicher aber es wird immer eine Nische in der Nische bleiben. Für mich ist das auch in Ordnung so. Schließlich soll es was Besonderes bleiben. Sich darauf zu fokussieren wäre nicht so zielführend aber immer mal wieder und solange der Vorrat reicht, ist schon eine feine Sache.  

4. Wein, Sherry, Rum, Tequila, Bourbon: Welche Fässer bevorzugst du und warum?

Als Whiskey-Fan natürlich Whiskey-Fässer. Und momentan bevorzugt von meinem Lieblingsdestillateur Severin aus Michelbach bei Aschaffenburg. Gerade weil er einen fantastischen Whiskey in seinen Fässern ausbaut, machen diese Fässer so viel Sinn. Demnächst kommt auch mal was in ein paar seiner Rum-Fässer. Das ist dann Prämiere.

5. Welche Experimente mit dem Eichenfass schweben dir für die Zukunft vor?

Wie schon erwähnt, werde ich unser Mahoni Marina mal auf deutscher Rum-Eiche regionalen Anbaus reifen. Obstbrandfässer können auch sehr interessant werden und dann stehe ich schon recht kurz vor meinem langjährigen Traum vom eigenen Whiskey.

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