Dose vs. Flasche

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Dosenbier galt lange Zeit als minderwertig und stillos. Salonfähig waren Dosen höchstens auf Festivals oder beim Camping – die Qualität des Inhalts erschien oft eher zweitrangig. Hinzu kam die Sorge um die Umwelt und damit die Überzeugung, dass Dosen dem Planeten mehr schaden als Glas.

Doch seit einigen Jahren scheint ein Sinneswandel stattzufinden. Vor allem in der Craftbeer-Szene füllen immer mehr Brauereien in Dosen ab. Sogar das Trinken direkt aus der Dose ist legitim - immerhin fordert The Alchemist aus Vermont auf ihrem legendären Heady Topper IPA die Kunden auf: „Drink from can“!

Woher kommt diese neue Einstellung zur Dose? Um diese Frage zu beantworten, müssen die Vor- und Nachteile dieser Verpackungsform genauer betrachtet werden.

Vorteile der Dose

Aluminium hat im Vergleich zu Glas einen deutlichen Vorteil: Es ist lichtundurchlässig und hält somit die für das Bier schädliche UV-Strahlung ab. Die Folge ist eine längere Haltbarkeit und somit frischeres Bier. Was genau passiert, wenn Bier mit UV-Strahlung in Kontakt kommt? Vereinfacht gesagt entsteht eine chemische Verbindung, die sich 3-Methyl-2-buten-1-thiol nennt und unter anderem im Analsekret von Stinktieren zu finden ist. Man könnte sagen, das Bier riecht und schmeckt ranzig. Bei Glasflaschen gilt also: je dunkler, desto besser.

Hinzu kommt, dass Aluminium wesentlich leichter als Glas ist, was es für den Transport attraktiver macht. Darüber hinaus ist Alu nicht zerbrechlich und eignet sich somit besser für unterwegs.

Nachteile der Dose

Die Ökobilanz: Die Alu-Dose trägt im Vergleich zur Mehrwegflasche wesentlich mehr zum Treibhauseffekt bei. Die Herstellung von Aluminium-Behältnissen ist sehr aufwändig und frisst viele Ressourcen. Selbst beim Recycling entsteht genauso viel CO2, wie beim bloßen Verbrennen der Dosen. Trotzdem gibt es Untersuchungen, die darauf hinweisen, dass Alu-Dosen umweltverträglicher sind als Einwegflaschen.

Gesundheitliche Faktoren: Noch ist die Auswirkung von Aluminium auf den menschlichen Körper nicht ganz geklärt. Auch wenn die Studienlage recht verwirrend ist, gibt es Anzeichen dafür, dass Alu nicht gerade gesundheitsfördernd ist. Zwar wird das meiste Aluminium wieder über die Nieren ausgeschieden, ein gewisser Rest bleibt dennoch zurück und lagert sich in Körperregionen, wie den Knochen ein. Wie viel Aluminium tatsächlich von der Dose ins Getränk übergeht, hängt letztlich immer vom Inhalt ab und kann nicht pauschal beantwortet werden.

Das Image-Problem: Das „coole“ Image von Craftbeer aus der Dose ist längst nicht in allen Köpfen angekommen. Vor allem größere Brauereien dürften sich schwer tun, gutes Bier in Dosen erfolgreich zu vermarkten, da in Deutschland die Flasche nach wie vor für Qualität steht. Hierzulande werden rund 70% der gesamten Bierproduktion nach wie vor in Flaschen abgefüllt. An zweiter Stelle steht die Fassware, Dosen nehmen einen sehr geringen Anteil ein.

Geschmacksunterschiede zwischen Dosenbier und Flaschenbier

Das schlechte Image der Bierdose spiegelt eine Studie aus Edinburgh wieder, bei der den Probanden ein und dasselbe Bier aus Dosen und Flaschen serviert wurde. Die meisten fanden, dass das Bier aus der Flasche besser schmeckte. Wiederholte man das Experiment mit verbundenen Augen (die Probanden wussten also nicht, ob Dose oder Flasche), konnten keinerlei Geschmacksunterschiede festgestellt werden. Der Effekt des Verpackungsmaterials auf den Inhalt scheint beim Bier also rein psychologischer Natur zu sein (Barnett et al., 2016).

Fazit

Dosen sind nicht nur super. Es gibt ein paar gute Gründe, die für Bier aus (dunklen) Mehrwegflaschen sprechen. Und doch gibt es Situationen, in denen Dosenbier einfach Sinn macht: Eine Wanderung mit zerbrochener Bierflasche im Rucksack macht einfach keinen Spaß. Ein frisches, aromatisches IPA aus der Dose im Sommer hingegen sehr.

Hier geht's zu unserem Review zum "Sur Simcoe" von To Øl, ein saures Pale Ale aus der Dose >>

Quelle

Barnett, A., Velasco, C., Spence, C. (2016) Bottled vs. Canned Beer: Do They Really Taste Different?, Beverages, 2 (4), p.25.