Bierpause

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Bierpause. Allein das Wort verursacht bei manchen nervöse Zuckungen und löst panisches Fluchtverhalten aus. Doch wenn man etwas länger darüber nachdenkt, kann so eine Abstinenz auf Zeit auch wahnsinnig sinnvoll sein. Und das nicht nur aus gesundheitlichen Gründen. Mal abgesehen davon, dass einige Kandidaten (ich schau’ dich an!) tatsächlich zu viel Bier konsumieren, birgt die Bierpause einige ungeahnte Vorteile. Ich hatte mir zur Fastenzeit vorgenommen, unter der Woche keinen Alkohol zu trinken und bin nun kurz vor dem Ziel. Was mir das Ganze gebracht hat, hab ich euch in 5 Punkten zusammengefasst.

1. Gewichtsverlust

Ein Thema, das wir Craftbeer-Nerds oft und gerne ausblenden: Bierkonsum und Abnehmen gehen nicht gerade Hand in Hand. Das Problem sind nicht nur die schweren, öligen Stouts mit hohem Kaloriengehalt, sondern auch die Snacks, die man gerne mal dazu isst. Eine Bierpause ist ideal auf dem Weg zur alten, engeren Hose. Dass das nicht nur reines Bauchgefühl ist, zeigt eine groß angelegte Studie aus dem Jahr 2011*: Die Testpersonen, die täglich zwei Gläser Bier konsumierten, hatten einen größeren Bauchumfang. Ob das nur am Kaloriengehalt liegt oder auch mit hormonellen Faktoren zu tun hat, ist bis heute nicht eindeutig geklärt.

2. Erholte Geschmacksnerven

Ein bislang von mir völlig unterschätzter Aspekt: Je mehr Bier ich trinke (v.a. je mehr schwere, komplexe Biere), desto schwieriger wird es für meinen Gaumen, kleine Nuancen zu unterscheiden. Ihr kennt dieses Gefühl vielleicht nach einem Tasting: Das vierte Imperial Stout macht einfach keinen Sinn mehr, weil die Geschmacksknospen irgendwann dicht machen. Eine kleine Abstinenz kann helfen, den Gaumen wieder auf „Start“ zu setzen und verschiedene Geschmacksrichtungen wieder intensiver wahrzunehmen. Dies fand übrigens auch eine Studie der University of Malawi** heraus: Wer eine Zeit lang auf gewisse Speisen oder Getränke verzichtet, schärft dadurch seinen Geschmackssinn!

3. Eine neue Wertschätzung für alkoholfreies Bier

Zugegeben, manchmal hing mir das Wassertrinken dann doch zum Hals raus und ich hatte einfach Bock auf Bier. Die Lösung: Alkoholfrei. Die Entscheidung fiel mir beim besten Willen nicht leicht, da ich alkoholfreies Bier bislang als nahezu ungenießbar empfand. Also nutzte ich die Chance, um mich auf die Suche nach erträglichem alkoholfreien Bier zu machen. Und siehe da, einige gingen tatsächlich. Was ich wohl auch in Zukunft ab und zu mal trinken werde: Nittenauer FreIPA (ein erstaunlich fruchtiges, alkoholfreies IPA), Unertl alkoholfreies Weißbier (z.B. nach dem Mountainbiken eine feine Erfrischung) und das alkoholfreie Helle von Maxlrainer.

4. Eine neue Wertschätzung für Bier

Und weil alkoholfreies Bier halt doch nicht das Gelbe vom Ei ist, wurde mir immer mehr bewusst, wie großartig „richtiges“ Bier eigentlich ist. Durch den Verzicht unter der Woche war das erste Bier am Wochenende wie eine Offenbarung. Ein schönes Rodenbach Grand Cru mit intensiver Balsamico-Säure, ein tropisch-fruchtiges New England IPA oder ein schokoladig-öliges Imperial Stout – wir sollten dankbar sein für so viel Geschmacksvielfalt und dafür, dass wir an das ganze gute Zeug inzwischen doch eigentlich ohne Probleme rankommen.

5. Ein gutes, beruhigtes Gefühl

Nicht zuletzt war ich während der Fastenzeit auch irgendwie beruhigt, dass mir der Alkoholverzicht überhaupt nicht schwer fiel. Mal ehrlich: Wir Craftbeer-Verrückten trinken nicht gerade wenig. Klar, wir achten auf Qualität und schütten uns das Zeug nicht hirnlos in die Birne. Aber am Ende des Tages dürften die meisten von uns doch etwas über dem deutschen Durchschnitt liegen. Sich vor diesem Hintergrund mal ab und zu die Frage zu stellen, wie man ohne Alkohol auskommen würde, ist sicher nicht verkehrt.

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* The association of pattern of lifetime alcohol use and cause of death in the European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition (EPIC) study: http://bit.ly/2o9aMUO

** Effects of caloric deprivation and satiety on sensitivity of the gustatory system: http://bit.ly/2p9lO0R