Bierland Franken: Interview mit Felix vom Endt

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Felix vom Endt ist kein unbekanntes Gesicht in der deutschen Craftbeer-Szene. Angefangen hat alles 2006, als er mit seinem Blog lieblingsbier.de an den Start ging. Es folgten Jobs in Brauereien in Kanada und Berlin und nun hat sich der Wahlfranke (aufgewachsen in Oberbayern) seinen persönlichen Traum erfüllt: Eine eigene Brauerei namens "Orca Brau" in seiner Lieblingsstadt Nürnberg. Mit dem hochspannenden Thema "Franken und Bier" kennt sich Felix hervorragend aus – er war so nett uns dazu ein paar Fragen zu beantworten.

1. Franken hat bekanntlich die höchste Brauereidichte der Welt. Was denkst du, woran das liegt?

Ganz einfach: Die Franken trinken eben gerne Bier und am liebsten ihr eigenes. Ok, ganz so einfach ist es natürlich nicht, wobei die Franken schon wirklich sehr großen Wert auf regionale Produkte legen, nicht nur Bier, auch Wein, Wurst, Gemüse und andere Lebensmittel. Auch trinkt der Franke gerne ein paar „Seidla“ aber eigentlich liegt es an der Historie. Durch Franken führten sehr viele Handelsrouten und da Händler, Boten und andere Reisende eben viel Durst und Hunger hatten, entstanden die vielen Brauereien samt Gasthof zum Essen und Übernachten im ganzen Land verteilt. Auch war Nürnberg, die Hauptstadt Frankens, lange Zeit größter Hopfenhandelsplatz und Gerste wurde sowieso viel angebaut. Trotzdem gibt es auch hier immer noch ein großes Sterben von Brauereien und einige Große bestimmen den Hauptmarkt. Vor 30 Jahren gab es noch rund 100 Brauereien mehr, knapp 370 – jetzt sind es rund 270. Auch gab es in der Vergangenheit eine lange Zeit, in der Großkonzerne den Markt dominiert haben. In Nürnberg spürt man das noch sehr mit Tucher, die zur Radeberger Gruppe gehören und hier sehr Markt dominant sind. Neugründungen sind recht selten aber hier und da übernimmt die „Jugend“ von der älteren Generation und bringt den Laden wieder auf Vordermann.
Franken ist generell aber auch eine „Genussregion“. So gibt es eben nicht nur Brauereien, sondern auch eine Vielzahl an Metzgereien und Bäckereien und das alles kann man kombiniert auf den vielen Bierkellern  haben. Ein Paradies!

2. Du selbst braust inzwischen auch in Franken, u.a. mit ungewöhnlichen Bierkreationen. Wie kommen deine Biere beim eher traditionell geprägten Durchschnittsfranken an?

Überraschenderweise sehr gut. Ich hätte persönlich nicht gedacht, dass der Franke so offen gegenüber „Neuem“ ist, gerade wenns ums Bier geht. Klar gibt´s sicherlich auch diejenigen, die mit meinen Bieren nicht so viel anfangen können, aber das ist ja auch gut so, wenn es anders wäre, würde ich irgendwas falsch machen. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass der „Franke“ sehr offen gegenüber Bier generell ist und auch ein hohes Wissen mitbringt. Da lässt sich gut ansetzten und es muss nicht mehr so viel erklärt werden, warum das „Pale Ale“ jetzt so fruchtig schmeckt und das dies eben vom Hopfen kommt und nicht von einem Fruchtsaft.  Er kennt sich einfach aus und er erkennt vor allem „echtes Handwerk“ und wenn etwas mit Liebe und Leidenschaft produziert wird. Das wird honoriert und wertgeschätzt und das finde ich klasse. Auf Grund der genannten Brauereivielfalt kennt er es ja eigentlich nicht anders und probiert eben gerne auch immer mal was Neues aus, auch wenn die Nachfrage nach einem „Orca Hell“ schon immer wieder auftaucht, es erst aber mal nicht realisiert wird ;-)

3. Welche fränkischen Biere muss man getrunken haben?

Da gibt´s so viele die ich hier nennen könnte. Absolute Empfehlung sind die Biere der Brauerei Zehendner aus Mönchsambach, die es aber nur in einem Engen Radius rund um die Brauerei gibt, aber auch natürlich die Rauchbiere aus Bamberg wie das „Schlenkerla“ oder das „Spezial“ oder auch die verrückteren Sachen von Pax Bräu, Hertl, Zwanzger und wie sie alles heißen, die mittlerweile kreativ in Franken brauen. Ein echter „Tipp“ ist mit Sicherheit (noch) die Brauerei Beyer in Teinheim. Die machen nicht nur ein unglaublich süffiges Kellerbier, sondern experimentieren auch mit spontaner Gärung, Fasslagerung, Bier-Wein Hybriden und mit weiteren natürlichen Zutaten wie Flieder oder Kirschen. Dort gibt’s jetzt seit kurzer Zeit eine echte „Weisse“, spontan vergoren und natürlich schon in Berlin bei „Hopfen&Malz“ erhältlich. Ich könnte auf jeden Fall noch weiter machen, aber Ich empfehle lieber jeden sich ein paar Tage durch Franken zu trinken, vor allem im Sommer oder Frühherbst wenn die Bierkeller noch offen sind.

4. Welcher Bierstil steht für dich für Franken?

Kellerbier, Lager, Helles, Zwickel (oder wie immer man es auch immer nennen will) – und natürlich auch das Rauchbier.

5. Wo siehst du Bierfranken in 10 Jahren?


Ich denke, dass mehr und mehr kleine fränkische Brauereien das Experimentieren anfangen werden. Es gibt einige „Leuchttürme“, die das bereits erfolgreich machen und wenns der Nachbar mitbekommt, dass es läuft, dann macht ers auch und dann dessen Nachbar, usw. Es steckt unglaublich viel Potential im Bierland Franken, das in den nächsten Jahren die Vielfalt und Kreativität von Bier aufzeigen wird. Natürlich werden einige auch in 10 Jahren nicht mehr existieren und so viele Neugründungen wird es in Franken nicht geben. Es wird sich alles etwas mehr konzentrieren aber das ist auch ok so, das ist leider das normale Marktgeschehen. Ich bin auf jeden Fall gespannt und freu  mich auch in 10 Jahren mit „orca brau“ Teil einer lebendigen Bierkultur Frankens sein zu dürfen.