5 Fragen zum Thema "Pale Ale" mit Richie Hodges

Richard Hodges

Habt ihr euch Ziele gesteckt? Wir schon. Ein Ziel ist es, verschiedene Bierstile aus möglichst vielen Blickwinkeln zu betrachten. Ein besonders wichtiger Blickwinkel ist der des Brauers und deshalb starten wir heute unsere neue Reihe "5 Fragen zu...". Wir beginnen mit dem Pale Ale und einem Brauer, der diesem Bierstil sehr verbunden ist: Richie Hodges (Ex-Crew Republic, jetzt Berliner Berg).

 

1. Was war das erste Pale Ale, das du in deinem Leben getrunken hast und wo war das?

In einer Hausbrauerei, Hub City Brewery, wo ich einige Jahren später mit meiner Karriere angefangen habe. Ich hatte schon damals ein bisschen Erfahrung mit Bieren aus Mikrobrauereien. Meistens waren das Golden Ales, Fruit Beers, Red Ales, und gelegentlich ein Stout. Alle vier ziemlich populär in den frühen 90ern und nicht wirklich stark gehopft. Dann kam mein erstes Pale Ale. Es war eine komplett neue Erfahrung für mich. Der Geruch war eine sehr intensive Mischung aus Grapefruit und Juicy Fruit Gum. Es war ein bisschen zu bitter für mich zuerst aber der Geschmack und Geruch hat mich sofort überzeugt. In sehr kurzer Zeit habe ich mich an diese Bittere gewöhnt und war schnell ein grosser Fan dieses Bierstils. Einige Jahre später habe ich bei dieser Hausbrauerei angefangen und wir haben sogar 2003 eine Bronze Medaille beim Great American Beer Festival (GABF) für American Pale Ale gewonnen. Damals war American Pale fast genauso die "Königs Kategorie" wie IPA. Heute undenkbar, da IPAs mittlerweile alles bei diesem Festival dominieren. Leider.

2. Was ist dein persönliches Lieblings-Pale Ale und warum?

Da muss ich auf zwei Ebenen denken. Die erste wäre ein Pale Ale aus einer kleinen Brauerei, bzw. die Hausbrauerei bei der ich angefangen habe. Jedes neue Pale Ale Rezept das ich seit damals kreiert habe, wird immer noch an diesem Maßstab gemessen. Zugegeben, das Pale Ale von damals ist nichts mehr als eine zehn Jahre alte Erinnerung. Diese Erwartung bleibt aber noch. Auf der "grosse Brauerei" Ebene war ich und bin noch ein großer Fan von Sierra Nevada Pale Ale. Dazu muss ich ganz ehrlich sagen, ich habe noch nicht ein Sierra Nevada in Europa getrunken, das "richtig" schmeckt. Diese Frische, die man in den USA bekommt ist nicht zu vergleichen mit dem, was man hier in Europa bekommt, vor allem nach seiner langen Reise und Lagerung. Ist leider so. Nichtsdestotrotz begeistert mich dieses Pale Ale immer noch und ist ein weiterer Maßstab für mich. Ein echtes Pale Ale wie ein Pale Ale sein sollte.  

3. Worauf sollte man beim Brauen eines Pale Ale besonders Wert legen?

Hopfen ist eine von vier Zutaten. Ein Pale Ale ist kein IPA. Eine amerikanische Art von Pale Ale soll ausbalanciert sein. Echt! Es ist kein IPA. Dieser IPA-Trend in den letzten 10 Jahren hat einen großen Einfluss auf aktuelle Pale Ales gehabt. Die sind sehr stark gehopft und weniger ausbalanciert. Wenn ich im Geruch keinen Unterschied zwischen einem stark gehopften IPA und einem Pale Ale erkennen kann, dann ist etwas verloren gegangen. Ausbalanciert ist der Schlüssel. Hopfen soll harmonisch mit dem Malz arbeiten. Pale Ales müssen nicht gestopft werden und vielleicht sollten sie auch nicht gestopft werden. Das Berliner Berg Pale Ale ist nicht gestopft im klassischen Sinn. Ich habe eine Technik eingeführt, weil wir dort, wo wir brauen leider sehr stark begrenzt sind bei der Whirlpool Hopfengabe. Damit will ich sagen: Große Whirlpool Hopfengabe ist der Schlüssel. Daher sollten die meisten Aromen und Geschmäcker ins Bier kommen und ohne zu stopfen kann man vermeiden, dass das Hopfenaroma das ganze Bier überfordert. Hefe sollte neutral sein. Es gibt einige "California", "US", oder "American" Hefen auf dem Markt, die man sehr leicht bekommen kann. Die sind alle sehr gut geeignet. Malzschüttung sollte nicht zu viel Caramel Malz enthalten. Faust Regel etwa 5-8% Caramel Malz je nach dem, wie dunkel es ist. Lass das Bier nicht zu dunkel oder caramelartig werden. Caramel Malz unterstützt das Hopfenaroma nicht. Da muss man die Harmonie zwischen Hopfen- und Malzcharakter finden.

4. Mit welchen Hopfensorten braust du bei Pale Ales am liebsten?

Klassisch gesehen kann man immer auf Cascade zurückgreifen. Das habe ich eben bei Berliner Berg Pale Ale gemacht. Ich wollte das Pale Ale sehr klassisch brauen. Ich habe komplett verzichtet auf alle neuen Hopfensorten, die im Trend sind. Die neueste Hopfensorte in meinem Pale Ale wurde 2001 auf dem Markt eingeführt. Die neuen Hopfensorten sind geil! Gleichzeitig muss ich sagen, die haben vielleicht die Aufgabe des Brauers erleichtert, weil man nicht mehr zu viel falsch machen kann. Diese Kunst, eine richtige Mischung zu finden ist vielleicht ein bisschen verloren gegangen. Wenn man mit  nur einer von diesen neuen Hopfensorten ein sehr buntes Hopfenaroma ins Bier bringen kann, muss man nicht viel "können". Simcoe! Klar, geiler Hopfen, aber was kann man da bitte schön falsch machen? Keine Kunst, keine Herausforderung, und kein Interesse von mir mehr. Gleichzeitig wenn jeder es einsetzt dann schmecken zu viele Biere auf dem Markt mittlerweile ähnlich. Warum machen wir Craft Beer? Um Biere mit unterschiedlichen Geschmäckern zu machen, oder? Klar, ich freu mich auf neue Hopfensorten wie jeder andere.  In der letzten Zeit aber interessiere ich mich wieder für andere Hopfensorten, die ein bisschen verloren gegangen sind und die ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl brauchen. Bei einem Pale Ale darf man auf jeden Fall mit Hopfen nicht übertreiben. Mit einigen von diesen neuen intensiven Hopfensorten kann das Ganze sehr schnell außer Kontrolle geraten.

5. Mit wem würdest du gerne mal ein Pale Ale brauen?

Mit meinem Freund Ian Pyle von Ratsherrn. Er ist sehr kreativ und hat ein sehr gutes Gefühl für das Bierbrauen. Wir werden bestimmt was zusammen machen in 2016. Vielleicht mal was Extremes und Wildes und dann viellicht mal was Klassisches wie ein Pale Ale mit vielleicht unserem eigenen "Twist".

_________________

Weiterführende Links: