5 Fragen an Keith Shore (Art Director, Mikkeller)

keith.pic1

Ich würde gerne eine steile These aufstellen: Die Entscheidung, ob man eine Brauerei mag oder nicht, hängt mindestens genauso stark davon ab, wie man das Design auf den Labels findet, wie vom Biergeschmack selbst. Ob man es will oder nicht: Das Auge trinkt mit.

Und wie beim Essen auch, ist das nichts Verwerfliches. Ganz im Gegenteil: Ein ansprechendes Design spricht dafür, dass der Brauer auch auf die Details achtet und dass er sein Produkt würdig kleiden will. Wenn dann noch ein gewisser Wiedererkennungswert gegeben ist (und das Bier auch noch schmeckt), umso besser. Keith Shore, Art Director und Label Designer bei Mikkeller, war so nett uns 5 Fragen zu seiner täglichen Arbeit zu beantworten:

1. Wie sieht der Prozess aus, wenn du mit Mikkeller zusammen arbeitest? Erfindet Mikkel erst ein neues Bier und dann lieferst du das Artwork? Probierst du die Biere immer, bevor du das Label entwirfst?

Ich bin der einzige Mitarbeiter, der nicht im Copenhagen Büro arbeitet. Mikkel schickt mir seine Ideen für neue Biere per mail und dann mach ich das Label. Manchmal bekomme ich einen Namen mit dem Rezept geliefert und manchmal soll ich mir einen Namen ausdenken. In unserem Büro werden viele Leute bei neuen Bieren mit einbezogen. Da herrscht eine recht kollaborative Stimmung. Ich hab noch nie ein Bier probiert, bevor ich das Design dafür gemacht habe. Wir produzieren irrsinnig viele verschiedene Biere jedes Jahr, die auch noch an verschiedenen Orten auf der Welt gebraut werden - da wäre es unmöglich, das Bier vor dem Gestalten des Labels zu probieren.

2. Was kam zuerst: Deine Liebe zum Bier oder die Liebe zur Kunst?

Kunst. Meine Mutter war schon immer an Kunst interessiert und sie hat mich immer ermutigt, zu zeichnen und zu malen. Für Bier hab ich mich erst in meinen frühen 20ern interessiert und Craftbeer hat da erst angefangen zu explodieren. Ich arbeitete damals selbstständig als Designer und Illustrator und interessierte mich sehr für das Branding auf dem Wein- und Bier-Markt. Ich wollte schon immer Labels entwerfen.

3. Der Großteil deiner Kunst wird tausendfach auf Bierflaschen verkauft. Macht dich das stolz oder denkst du dir manchmal, dass es auch ganz schön wäre, Einzelstücke zu verkaufen, von denen es keine Kopien gibt?

Ich bin super stolz. Ich sehe es zu diesem Zeitpunkt nicht als "meine" Kunst an. Es ist ein Produkt und meine Kunst ist ein Teil einer Marke. Ich male und zeichne ja immer noch und stelle die originalen Mikkeller Zeichnungen auch gerne noch in Gallerien aus.

4. Was inspiriert dich?

Formen, Farben, meine Kinder, Künstler, Bücher, die Natur...

5. Was ist dein Lieblingsdesign unter deinen Arbeiten für Mikkeller?

Ich mach sehr gerne die Designs für unsere neue Brauerei in San Diego. All unsere Biere werden verzierte Flaschen haben. Das ist ein Traum für jeden Designer: eine größere Leinwand, um darauf zu arbeiten, grenzenlose Farben, das Glas ist dein Negativraum und du kannst die Tinte fühlen. Das ist super cool. Mikkeller

**Hier das englische Original**

1. What's the process like when you work with Mikkeller? Does Mikkel come up with a beer first and then you provide the artwork? Do you always try the beer before you design the label?

I’m the only one on staff that doesn’t work out of our Copenhagen office. Mikkel will email me his ideas for a new beer and i make the label. sometimes ill get a name along with the recipe and other times I’m asked to come up with a name. a lot of people at our office get involved with new beers. its a collaborative vibe.i have never tried a beer before i make the art. we produce an insane amount of beers each year and they are brewed at different locations around the world - trying the beer before designing the label is just not possible.

2. Which came first: your love for beer or your love for art?

Art. my mom was always interested in art and she always encouraged me to draw and paint when i was growing up. i got into beer in my early 20’s and craft beer was just beginning its explosion then. i was working for myself as a designer & illustrator and paid a lot of attention to the branding in the wine & beer industry. making labels was something i was always keen on doing.

3. Most of your art is sold by the thousands on beer bottles. Is that something that makes you proud or do you sometimes get the notion that selling unique pieces of art without any copies around would be more preferrable?

Super proud. i don’t see it as ‘my’ art at that point. its a product and my art is part of a brand. i still draw and paint and enjoy showing the original Mikkeller drawings in galleries every now and then.

4. From where do you draw your inspiration?

Shapes, colors, my kids, artists, books, nature...

5. What's your favorite design you've done for Mikkeller and why?

I’m having a lot of fun designing stuff for our new San Diego brewery. all of our releases will be decorated bottles. Its a dream for any designer: a bigger canvas to design on, colors are limitless, the glass is your negative space, and you can feel the ink. its super cool.