Was ist ein Starkbier?

Das Starkbier ist keine Bezeichnung für einen eigenen Bierstil, wie es zum Beispiel beim Witbier, bei der Gose oder beim Porter der Fall ist. Beim Starkbier handelt es sich um eine Biergattung zu der alle Biere zählen, die einen Stammwürzegehalt von mindestens 16 Prozent aufweisen. Geläufiger ist die Angabe in Grad Plato (°P). Das bedeutet, dass in 100 Gramm Bier mindestens 16 Gramm Stammwürze enthalten sein müssen. Die Stammwürze wird auch als der Nährstoffgehalt eines Bieres bezeichnet, da sie der Gehalt an Extrakten ist (unter anderem bedingt durch Hopfen und Malz), der sich vor dem Vergärungsprozess in der Bierwürze befindet. (nähere Informationen zum Thema Stammwürze sind hier zu finden). Per Faustregel lässt sich sagen, dass, je höher der Stammwürzegehalt ist, desto vollmundiger der Geschmack und desto höher der Alkoholanteil ist. Dem hohen Alkoholgehalt hat das Starkbier somit seine Bezeichnung zu verdanken. Als grobe Richtlinie gilt, dass in etwa ein Drittel der Stammwürze den Alkoholgehalt wiederspiegelt. Das bekannte Salvator von Paulaner hat beispielsweise einen Stammwürzegehalt von 18,3 °P, und einen Alkoholgehalt von 7,5 Prozent. Neben dem Starkbier gibt es drei weitere gängige steuerrechtliche Untergliederungen, die sich ebenfalls am Stammwürzegehalt orientieren:

  • das Einfachbier (1,5 - 6,5 °P)
  • das Schankbier (7 - 10,9 °P)
  • das Vollbier (11- 15,9 °P)

Martin Zuber, Braumeister und Geschäftsführer der Brauerei im Eiswerk, erklärt den Begriff Starkbier

 

Was ist das stärkste Starkbier?

Auf der ganzen Welt gibt es Brauer, die Starkbiere mit einem extrem hohen Alkoholgehalt brauen. Hier geht es weniger um die Produktion schmackhafter Biere, sondern eher darum, solche extremen Starkbiere als Marketinginstrumente einzusetzen. Das deutsche Schorschbock 57 (ein Eisbock) der Brauerei Schorschbräu aus Gunzenhausen gilt mit seinen 57,5 Prozent Alkohol als das stärkste Starkbier der Welt. (Hier geht es zum Interview mit dem Braumeister des stärksten Bieres der Welt: Georg Tscheuschner) Im Jahr 2012 wurde zwar von der Brauerei Brewmeister der Eisbock "Armageddon" mit einem Alkoholgehalt von 65 Prozent auf den Markt gebracht. Da es sich aber um ein Destillat handelt, darf dieser Eisbock nicht als Bier geführt werden. Ebenso für extreme Starkbiere bekannt ist die schottische Brauerei BrewDog. Deren bekannteste Starkbiere sind:

  • The End of History: 55 Prozent Alkohol (Eisbock)
  • Sink the Bismarck: 41 Prozent Alkohol (Imperial IPA)
  • Tactical Nuclear Penguin: 32 Prozent Alkohol (Imperial Stout)

Ein Alkoholgehalt von weit über 40 Prozent lässt sich, sofern das Reinheitsgebot berücksichtigt werden soll, nur mit einem Eisbock realisieren. Hierfür wird das Bier herabgekühlt, bis das im Bier enthaltende Wasser gefriert. Der flüssige Kern wird extrahiert. Dieses likörartige „Bier-Konzentrat“ weist einen sehr hohen Alkoholgehalt auf, und wird als Eisbock bezeichnet. Auch wenn es einzelne Ausreißer gibt, zählen im Allgemeinen folgende Bierstile zu den Starkbieren:

Wurde bis zum Aufkommen der Craft Beer Welle das Starkbier als Synonym für einen Doppelbock verwendet, setzen vor allem Imperial India Pale Ales und Imperial Stouts auch hinsichtlich des Alkoholgehaltes neue Standards in der breiteren Wahrnehmung. Alkoholgehalte von 7 bis 14 Prozent sind inzwischen gängige Werte, und führen hinsichtlich alt-tradierter Auffassung zu einer neuen Wahrnehmung und Neuinterpretation des Starkbieres.

Ein Interview mit Georg Tscheuschner zum Thema "Starkbier" >>

Starkbier trotz Fastenzeit?

Warum ist eigentlich die Fastenzeit die Zeit der Starkbiere? Die Antwort ist leicht: Die Mönche im 15. Jahrhundert haben für die Fastenzeit Biere sehr stark eingebraut. Das bedeutet, es wurde für den Brauvorgang sehr viel mehr Hopfen und Malz verwendet als üblich. Auf diese Weise erhielt das Bier mehr Nährstoffe (siehe Stammwürze). Die Enthaltsamkeit im Bezug auf feste Nahrung sollte bei den Mönchen durch das Bier als „flüssige Nahrung“ kompensiert werden. In Anlehnung an diese Zeit werden jährlich, vor allem im Münchener Raum, die sogenannten Starkbierfeste gefeiert.

http://www.bierundwir.de/sorten/bockbier.htm