Craft Beer: Eine Erklärung

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Was ist Craftbeer (oder Craft Beer oder Craft Bier)?

Im Grunde handelt es sich bei Craft Beer um 

  • handwerklich gebrautes Bier, bei dem
  • hochwertige und alternative Zutaten, wie zum Beispiel Aromahopfen, Kaffeebohnen, Kakaobohnen oder Orangenschalen, daraus resultierende
  • unkonventionelle Geschmacksrichtungen und das
  • Wiederbeleben alter Brau-Traditionen im Fokus stehen.


Inzwischen dürfte man bei der Frage nicht mehr ausschließlich in ratlose Gesichter blicken. Selbst die deutschen Massenmedien haben den Begriff inzwischen entdeckt, Craft Beer ist „cool“ und es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis das Phänomen in der Mitte der (deutschen) Gesellschaft angekommen ist. Jedoch trifft es den Nagel auch ziemlich auf den Kopf. Craft Breweries stehen  den großen Braukonzernen gegenüber, die industrielles Bier im großen Stil produzieren und darauf bedacht sind, geschmacklich konstant zu bleiben und möglichst wenig von der „Norm“ abzuweichen. Tradition und Weiterentwicklung sind für Craft Breweries kein Widerspruch, im Gegenteil: Die Tradition des Bieres ist eine Geschichte die es nicht nur zu bewahren gilt, sie soll auch weiterentwickelt und weitererzählt werden. Doch immer die gleiche Geschichte zu erzählen, wäre langweilig. Genau deshalb wird vielen Craft-Brauern eine gewisse rebellische Haltung unterstellt. 

Bei Craft Beer handelt es sich also nicht um einen speziellen Bierstil, sondern um eine Bierphilosophie, die sich auf qualitativ hochwertige Braukunst, Inhaltsstoffe und Biere bezieht. So können auch klassische Bierstile, wie zum Beispiel das Pilsener, das Helle oder auch das Märzen unter die Kategorie "Craft" fallen, sofern es "hochwertig" und nicht in industriellem Maße produziert wird. Eine gewisse Norm gibt es allerdings nicht, weshalb eine Definition oft und gerne strittig diskutiert wird. 
Auch wenn "Craft" keine Frage des Bierstils ist, so zählen für Craft Beer Brauer vor allem folgende Bierstile zu den beliebtesten und verbreitetsten Stilen:

Wer gerade erst beginnt, sich mit dem Thema Craftbeer auseinanderzusetzen, dem empfehlen wir unseren Artikel "Craftbeer for Beginners" mit 10 praktischen Tipps für den Einstieg! 

Eine kontroverse Definition von Craft Beer

Eine durchaus kontroverse Definition von Craft Beer liefert der in Deutschland bekannte Craft Beer Brauer Alexander Himburg, für den Craft Biere solche sind, die sich neuen Bierstilen zuordnen lassen, wie beispielsweies dem Pale Ale oder IPA (India Pale Ale):

 

Wo kann man Craft Beer kaufen?

beyond beerGrundsätzlich gibt es in jeder größeren Stadt Getränkeläden, die in ihrem Sortiment auch einige Craft Beer Spezialitäten führen. Einige von ihnen legen sogar einen größeren Fokus darauf. Wer keinen derartigen Händler in der Nähe hat, ist manchmal auf Online-Shops angewiesen. Wer Überraschungen mag und sich bei der Bierauswahl nicht entscheiden kann, der wird bei Herzgebraut fündig.

Empfehlenswert ist zum Beispiel auch das Sortiment von Beyond Beer. Die Auswahl an IPAs ist sehr groß, ebenso lassen sich auch zu allen anderen Biersorten, wie zum Beispiel belgische Ales, Stouts, oder Barley Wines einige Schätzchen finden.

 

Craft Beer und das Reinheitsgebot

Diese rebellische Haltung zeigt sich beim Craft Beer nicht nur im Geschmack der überwiegend durch hochwertige Aromahopfen erzielt wird (vergleichsweise dazu verwenden große Braukonzerne die günstigeren und weniger aromatischen Bitterhopfen), sondern manchmal auch durch die bewusste Missachtung des Reinheitsgebots. Dieses wird in den Augen der meisten Craftbeer Afficionados als längst überholt angesehen. Nicht nur lässt das Reinheitsgebot zahlreiche chemische Filtrierungsprozesse zu, es steht einer kreativen Braukultur definitiv im Weg. Früher war es selbstverständlich Bier mit Kräutern und anderen natürlichen Zutaten zu brauen. Biersommelier und Braumeister Oliver Wesseloh fordert deshalb beispielsweise ein Umdenken bei deutschen Brauern und postuliert ein Natürlichkeitsgebot anstelle des Reinheitsgebots.

Dass die Größe einer Brauerei nicht mehr das einzige Kriterium einer Craftbeer Brewery ist, zeigt sich am Beispiel Brew Dog, eine schottische Brauerei, die inzwischen international tätig ist, große Mengen produziert und sich dabei dem Leitsatz immer treu bleibt: Craft Beer von sehr guter Qualität mit hochwertigen Inhaltsstoffen zu brauen und dabei immer zu versuchen, neue experimentelle Biere zu entwickeln.

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 >> Viele wichtige Begriffe aus der Welt des Bieres findest du hier bei uns >>

Die Entwicklung des Phänomens „Craft Beer“

Vielen dürfte der Begriff „Microbrewery“ noch etwas sagen. Dabei handelte es sich um kleinere Brauereien in den späten 1970er Jahren, die erst in England, dann in den 80ern auch in den USA, dem Einheitsbrei der Mega-Brauereien Einhalt gebieten wollten, und sozusagen den Geist des Craft Beers gründeten. Dass der ursprünglich, v.a. in den USA, verwendete Begriff „Microbrewery“ heute nicht mehr ganz passend ist, hat unter anderem damit zu tun, dass viele dieser Brauereien inzwischen extrem gewachsen sind und regelrechten Kultstatus genießen. Auch wenn die Produktionsmenge einer Craft-Brauerei der einer industriellen Großbrauerei noch lange nicht das Wasser reichen kann (und will), ist der Terminus „micro“ längst nicht mehr angebracht. Das hat nicht nur mit der Größe vieler Craft-Breweries zu tun, sondern auch mit der Anzahl. Gab es 1973 nur 122 Brauereien in den USA, sind es heute über 4.500. Wenn dieser Trend in Deutschland ähnlich verläuft, sollte man sich um das Brauereisterben bald keine Sorgen mehr zu machen brauchen.

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 >> Eine Übersicht über Bierstile aus der Craft Beer Welt gibt es hier >>

Was zeichnet eine „Craft Brewery“ aus?

Eine Craft-Brewery in Deutschland genau zu definieren fällt heute recht schwer. Ist Georg Schneider mit seinen berühmten Weißbiervariationen kein Craft-Brauer, nur weil er sehr viel Bier produziert? Was ist mit kleinen fränkischen Landbrauereien? Sind die keine Craft-Brauer, nur weil auf ihrer Bierliste kein IPA und kein Imperial Stout steht? Zumindest lässt sich darüber streiten, wie das Video mit Alexander Himburg weiter oben zeigt. So wichtig traditionelle Brauereien mit "Standardsortiment" auch sind, genauso wichtig ist es, die neue Generation der jungen Wilden nicht aus den Augen zu verlieren. Brauereien, wie Brewdog aus Schottland, Dogfish Head aus den USA oder Camba Bavaria aus Deutschland (um wirklich nur eine winzig kleine Auswahl zu nennen), bereichern die internationale Bierwelt um fantastische Biere, die man v.a. hierzulande lange nicht für möglich gehalten hat. „Craft“ kommt dann zum Tragen, wenn jemand mit Leidenschaft hinter seinem Produkt steht. Wenn kommerzieller Erfolg nicht höchste Priorität hat. Und nicht zuletzt, wenn an Grenzen gegangen wird. Grenzen des Möglichen, Grenzen des (guten) Geschmacks, Grenzen der Kreativität.

Zu den bekanntesten deutschen Craft Beer Brauereien gehören unter anderem:

  • Freigeist Bierkultur
  • Himburgs Braukunstkeller
  • Hoppebräu
  • Tilmans Biere 

Craftbeer bewerten

Da es beim Craftbeer vielmehr um Sensorik und Geschmacksvielfalt geht, als bei industriellem "Fernsehbier", erfreuen sich Bewertungsportale zu diesem Thema großer Beliebtheit. Man muss Bier nicht zu Tode analysieren aber sich intensiv mit Geruch, Geschmack, Farbe etc. auseinanderzusetzen macht zum einen Spaß, und hilft zum anderen dem Thema Bier die Aufmerksamkeit zu schenken, die es verdient. Auch bei uns gibt es die Möglichkeit, getrunkene Biere zu beschreiben und zu bewerten.

cbr illus retuschiert 3>> Hier geht's zur Bewertungsfunktion >>

Weitere Informationen

Wer noch mehr Informationen zum Thema „Craft Beer“ möchte, dem legen wir die Dokumentation „Craft Beer – A Hopumentary“ wärmstens ans Herz:

Quellen

Carvalho, N., Ferreira, G., Minim, L., Minim, V., Nascimento, M. (2018) Characterization of the consumer market and motivations for the consumption of craft beer. British Food Journal, 120 (2), pp. 378-391..

Murray, D. W., O'Neill, M. A. (2012) Craft beer: penetrating a niche market, British Food Journal, 114 (7), pp.899-909.

Mathias, B., Huyghe, A., Frid, C., Galloway, T. (2017) An identity perspective on coopetition in the craft beer industry. Strategic Management Journal.

Taylor, S., DiPietro, R. (2017) Segmenting craft beer drinkers: An analysis of motivations, willingness to pay, and repeat patronage intentions. International Journal Of Hospitality And Tourism Administration, pp. 1-26.

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