Belgisches Bier

Belgisches Bier in ein oder zwei griffigen Sätzen zu definieren ist aufgrund der Vielfältigkeit der einzelnen Bierstile, den unterschiedlichen geschichtlichen Ursprüngen, den verschiedenen Brauweisen und den dabei mannigfaltigsten verbrauten Rohstoffen, nicht möglich. 

Orval - ein Trappistenbier

Kein anderes Land auf der Welt hat so eine dem eigenen Land entsprungene Bier-Vielfältigkeit wie Belgien. Zudem sind die Ursprünge des belgischen Bieres bis in die Zeit noch vor dem Mittelalter zurückzuführen, weshalb Belgien auch als Vaterland des „modernen“ Bieres gilt (auch wenn bereits im alten Ägypten erste rudimentäre Vorläufer des Bieres gebraut wurden). Geprägt durch die lange Tradition der Trappistenklöster und ihren Trappistenbieren, die Erfahrung mit langer Fassreifung und nicht zuletzt durch die Experimentierfreudigkeit mit Früchten, Gewürzen und wilder Hefe, entstand in Belgien über die Jahrhunderte hinweg eine Bierlandschaft, die weltweit ihresgleichen sucht.

Vielfältigkeit, spontane Gärung, Tradition

Die genannte Vielfältig, die spontane Gärung sowie die Tradition, gehören mit zu den drei wesentlichsten Charakteristika, die mit dem belgischen Bier einhergehen.

Vielfältigkeit

Gemessen am internationalen Vergleich steht der belgische Biermarkt für eine außergewöhnliche Vielfalt an unterschiedlichen Biere. Hierunter fallen unter anderem das Lambic, das Dubbel, das Tripel sowie das Quadrupel (näheres hierzu im Folgenden, oder auf unseren jeweiligen Bierstil Ratgebern).  

Spontane Gärung und Milchsäurebakterien

Neben dieser Vielfältigkeit sind auch spontan fermentierte Biere fester Bestandteil des belgischen Bierwesen. Die spontane Gärung ist besonders typisch für die Region rund um Brüssel und ist wahrscheinlich die älteste Fermentationstechnik, die ohne Kulturhefe arbeitet. So beruht die Fermentation von lambischem Bier  auf einer Kontamination der Bierwürze in offenen Gefäßen durch eine Vielzahl von wilden Hefen, Milchsäurebakterien, Essigsäurebakterien und Enterobakterien, die von der Luft getragen werden und spezifisch für die Region und die Brauereianlagen sind. Spontane Gärung und auch der Einsatz von Milchsäurebakterien ist inzwischen auch ein weit verbreiteter Ansatz innerhalb der experimentierfreudigen Craft Beer Szene, belgische Biere werden dabei aber noch immer als die entscheidende Orientierungsgröße gesehen. Milchsäurebakterien verleihen de, spontan vergorenem Biere einem charakteristischen, erfrischend säuerlichen Geschmack. Charakteristisch für spontan vergorene Biere ist zudem die Verwendung von ungemälztem Weizen, das Verbrauen von Früchten wie Sauerkirschen, wie zum Beispiel in dem belgischen Bierstil Kriek und die Verwendung Verschnitt Methoge "méthode champenoise", bei der vor der Abfüllung unterschiedliche Lambics (in der Regel ein jüngeres und ein älteres Lambic) verschnitten werden. Hieraus ergibt sich der belgische Bierstil Geuze. Bei einigen belgischen Bierstilen werden aber auch unterschiedliche Fermentationsansätze angewandt, beispielsweise in det Kombination von obergärigen Hefestämmen und Milchsäurebakterien. Entsprechende Vertreter sind die beiden belgischen Brauereien Rodenbach und Liefmans. Grundsätzlich lässt sich aus dem Einsatz und der Kombination unterschiedlicher Fermentationstechniken auch sagen, dass sich belgisches Bier durch einen hohen Grad an experimenteller Brauweise auszeichnet.

Tradition

Ein wesentliches Charakteristikum der belgischen Biere ist neben der Vielfältigkeit und der experimentellen Brauweise auch die Tradition. Besonders hervorzuheben sind die Abtei Biere. Sie stehen für Tradition und Qualität. Darüber hinaus werden sie als ideelles Gegenbild zum Massenmarktes gesehen. Am 30. November hat die UNESCO das belgische Bier zum UNESCO Weltkulturerbe ernannt. Besondere Berücksichtigung dieser Auszeichnung ist vor allem die Vielfältigkeit, die Innovation und auch die Bewahrung der Tradition des belgischen Bieres. 

Belgisches Bier und seine Bierstile

Charakteristisch für die meisten belgischen Bierstile ist ein relativ hoher Alkoholgehalt. Die Gründe hierfür gehen auf das Jahr 1909 zurück, in dem das sogenannte „Vandervelde-Gesetz“ erlassen wurde. Hierbei handelte es sich um eine Prohibition, die den Ausschank von Spirituosen in Bars und Kneipen untersagte. Folgerichtig wurden Biere stark eingebraut, um höhere Alkoholgehalte sozusagen als Kompensation für dieses Verbot realisieren zu können. Hierdurch wurden vor allem das Dubbel, das Triple und das Quadrupel geprägt.

Die bedeutendsten belgischen Bierstile 

Belgischer Bierstil Durchschnittlicher 
Alkoholgehalt (in %)
Aroma EBC
Dubbel 6 - 8,5  malzig, süßlich, machmal röstig,
fast keine Hopfenbittere, etwas
Karamell
15 - 30 
Triple / Tripel 8 - 10 deutlichere Süße, malzig, Karamell,
Kräuter, würzig
15 - 30
Quadrupel 10 - 14 malzig, rote Früchte, Rosinen, 
Backobst, Karamell, Feige
 25 - 50
Lambic  4 - 6 fruchtig, erinnert an Apfelmost,
geringe Bittere
 12 - 25
Geuze / Gueuze  4 - 7 fruchtig, säuerlich, erinnert an 
Schaumwein, trocken
 12 - 25
Oud Bruin  4 - 8  säuerlich, süßlich, rote Früchte  20 - 30
Saison Bier  5 - 8  würzig, spritzig, hopfig  11 - 20
Witbier  4 - 5  würzig, spritzig, hopfig, Organge, 
Koreander
 4 - 8

 

Entwicklung der Anzahl belgischer Brauereien

Folgende Grafik zeigt, wie die Zahl belgischer Brauereien während des letzten Teils des 19. Jahrhunderts zunahm, jedoch im Laufe des 20. Jahrhunderts stark zurückging.

Belgisches Bier im zeitlichen Verlauf

Belgisches Bier und seine Entwicklung

[Quelle: Swinnen, J. (2011) The Economics of Beer, Published to Oxford Scholarship Online: January 2012]

Während es zu Beginn des 20. Jahrhunderts über 3.300 Brauereien in Belgien gab, die 1,6 Milliarden Liter Bier produzierten, ist seitdem ist die Zahl der Brauereien rapide zurückgegangen. Ursache hierfür waren vor allem Konsolidierungen und Übernahmen innerhalb der Braubranche. So befanden sich im Jahr nur noch lediglich 1.120 Brauereien im Markt, 1980 waren es nur noch rund 100 Brauereien. 

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