Alkoholfreies Bier

Alkoholfreies Bier ist eine Bierkategorie, die wie kaum eine andere polarisiert. Die Ursache hierfür liegt überwiegend im Geschmack der oftmals als zu süßlich nicht „biertypisch“ genug empfunden und beschrieben wird. Die Ursache, dass das Aromaprofil alkoholfreier Biere zu wenig denen der alkoholhaltigen Biere ähnelt, liegt am fehlenden Alkohol da dieser ein wichtiger Geschmacksträger ist.1) Fehlt dieser, geht damit auch ein Verlust an Aromen einher. Genau in diesem Umstand liegt also das Dilemma, dass auf der einen Seite der fehlende Alkohol Sinn und Zweck alkoholfreier Biere ist, auf der anderen Seite ist dieses Hauptcharakteristikum verantwortlich für die fehlende gewünschte geschmackliche Nähe zu alkoholhaltigen Bieren. Brauer müssen sich also unterschiedlicher Techniken wie der Dialyse oder der Unterdrückung der Gärung bedienen, um ihren alkoholfreien Bieren den gewünschten Geschmack und Körper zu verleihen, der seinen alkoholhaltigen Pendants zumindest nahe kommen soll (näheres zu den einzelnen Verfahren folgt weiter unten im Text). 

Ist alkoholfreies Bier wirklich alkoholfrei?

Die Bezeichnung alkoholfrei ist tatsächlich nicht immer korrekt. Als alkoholfrei dürfen in Deutschland nämlich nur all die Biere bezeichnet werden, die einen Alkoholgehalt von weniger als 0,5 Prozent aufweisen.2) Der durchschnittliche Alkoholgehalt aller in Deutschland produzierten alkoholfreien Biere liegt in etwa bei 0,35 Prozent. Diese Werte können aber vor allem im Vergleich mit handelsüblichen Fruchtsäften relativiert werden: So dürfen gemäß des Deutschen Lebensmittelbuches Fruchtsäfte einen Alkoholgehalt von bis zu drei Gramm pro Liter (0,38 %) beinhalten. Traubensaft kann bis zu 0,4 % Alkohol enthalten, Sauerkraut bis zu 0,5 Prozent, und selbst reife Bananen können einen Alkoholgehalt von bis zu 0,6 % enthalten! In Italien oder Frankreich darf ein Bier als alkoholfrei deklariert werden, wenn es weniger als 1,0 % Alkohol hat. 

Ist alkoholfreies Bier gut für Sport und Gesundheit?

Alkoholfreies Bier hat keine heilende Wirkung im medizinischen Sinne. Allerdings kann alkoholfreies Bier aufgrund der vom Malz und vom Hopfen enthaltenen Trubstoffe wertvolle Proteine und Vitamine enthalten, vor allem B-Vitamine, die unter anderem für den Stoffwechsel und für die Nerven wichtig sind. Je hochwertiger ein Bier gebraut ist, desto mehr Nährstoffe enthält das Bier, da vor allem Phenolverbindungen vor allem über das Malz und den Hopfen ins Bier gelangen.
Alkoholfreies Bier hat sich als einen Namen als "Sportlergetränk" gemacht, da aufgrund der isotonische Wirkung dem Körper wertvolle Nährstoffe wieder zugeführt werden. Ebenso wurde aber auch eine leistungssteigernde Wirkung durch alkoholfreies Bier innerhalb einer Studie nachgewiesen:3) So wurde im Rahmen der Studie festgestellt, dass der Konsum von 0,7 Liter alkoholfreiem Bier vor der Ausübung der sportlichen Übungen dazu beigetragen hat, dass die Blut-Elektrolyt-Homöoastase während des Trainings stabil bleibt. Der Konsum von 0,7 Liter alkoholhaltigem hingegen erhöhte Das Plasma K+ und verringerte das Plasma NA+ während des Trainings, was die sportliche Leistung negativ beeinflusst. Diese Erkenntnis ist nicht weiter überraschend, allerdings führt eine der sportlichen Tätigkeit vorangehende Wasseraufnahme ebenfalls zu einer Reduktion des Plasma NA+ während des Trainings. Alkoholfreies Bier kann somit tatsächlich ein wirksames Sportgetränk vor der Ausübung sportlicher Aktivitäten sein, zumindest im Vergleich zu normalem Wasser.

Hier gibt es weitere Informationen zu den gesundheitsbezogenen Inhaltstoffen von alkoholischem und alkoholfreiem Bier.

Alkoholfreies Bier in der Schwangerschaft

Aufgrund des geringen Alkoholgehalts erlaubt es der Frau während ihrer Schwangerschaft alkoholfreies Bier zu trinken. Zu diesem Schluss kommt auch die Charite Berlin, auch wenn nicht die Hauptmenge des täglichen Bedarfs an Flüssigkeit aus alkoholfreiem Bier gedeckt werden.4) Wer sich bezüglich der Menge unsicher ist, sollte in der Schwangerschaft aber lieber gleich auf alkoholfreies Bier verzichten.

Trockene Alkoholiker sollten kein alkoholfreies Bier trinken

Für trockene Alkoholiker ist alkoholfreies Bier ein Tabu. Selbst wenn ein Bier 0,0 Prozent Alkohol aufweist, so kommt es dem „richtigen“ Bier wieder sehr nahe. Die psychologische Hürde, wieder ein Bier mit Alkohol zu trinken, wird durch den Konsum von alkoholfreiem Bier deutlich herabgesetzt

Die Herstellung von alkoholfreiem Bier

Für die Herstellung von alkoholfreiem Bier gibt es unterschiedliche Methoden. Jede für sich birgt gewisse Vor- und Nachteile. Zu unterscheiden ist das Destillationsverfahren, die Membrantrennung, die Dialyse sowie die Unterdrückung der Gärung.

Destillationsverfahren

Durch Erhitzung des Bieres wird der Alkohol vom Wasser aufgrund der unterschiedlichen Siedepunkte getrennt. Dieses scheinbar einfache Verfahren hat den Nachteil, dass sich vor allem hitzeempfindliche Aromastoffe, besonders die Öle im Aromahopfen, verflüchtigen.

Membrantrennung

Im Vergleich zum Destillationsverfahren hat die Membrantrennung den Vorteil, dass keine Hitzezuführung erforderlich ist, welche die Aromen des Bieres verflüchtigen lässt. Das Bier wird hier durch eine Folie (Membran) mit Hilfe des osmotischen Drucks gepresst (Umkehrosmose), durch die nur das Wasser und der Alkohol gelangt. Übrig bleibt eine hochkonzentrierte Flüssigkeit, die mit dem diffundierten Wasser so lange wieder angefüllt wird, bis der Alkohol 0,5 Prozent oder weniger beträgt. Zwei weitere verbreitete Verfahren der Membrantrennung sind die Pervaporation sowie die Dialyse.

Dialyse

Bei der Dialyse wird zwar auch auf eine Membran zurückgegriffen, im Vergleich zur Membrantrennung ist die Membran bei der Dialyse aber durchlässiger. Bier und Wasser laufen im Gegenstrom zueinander. Dabei diffundiert der Alkohol ins Wasser. Dieser Prozess wird so lange aufrecht erhalten bis der Alkohol im Bier weniger als 0,5 Prozent Alkohol enthält.

Pervaporation

Dieser Form der Membrantrennung ist der Membrantrennung sehr ähnlich. Hier wird allerdings an der Außenseite der Membran der flüssge Alkohol erhitzt, so dass er gasförmig abgezogen wird. Auf diese Weise entsteht ein größeres Druckgefälle, da wodurch die Trennung zwischen dem Alkohol und den übrigen Bieraromen noch effizienter ist als bei der Umkehrosmose.5)

Unterdrückung der Gärung

Durch die Unterdrückung der Gärung, oder des vorzeitigen Abbruchs, entsteht kein Alkohol (oder eben sehr wenig). Der Nachteil hierbei ist aber, dass sich typische Aromen erst gar nicht entwickeln, die beispielsweise durch die katalysatorische Wirkung der Hefe entstehen.

 

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Quellen:

1) Technische Universität Berlin (2011) Das ideale Getränk für Konferenzen [Online] Available at: http://www.tu-berlin.de/?id=97862 (Accessed: 7 December 2016).

2) deutscher Brauer-Bund e.V. (2014) Kennzeichnung von Bier und Biermischgetränken. Available at: http://www.brauer-bund.de/download/Archiv/PDF/140207_Praxisleitfaden_Kennzeichnung_2014.pdf (Accessed: 7 December 2016).

3) Castro-Sepulveda, M., Johannsen, N., Astudillo, S., Jorquera, C., Álvarez, C., Zbinden-Foncea, H. and Ramírez-Campillo, R. (2016) ‘Effects of beer, non-alcoholic beer and water consumption before exercise on fluid and Electrolyte Homeostasis in athletes’, Nutrients, 8(6), p. 345

4) Weichert, A. (2016) Fragen und Antworten zur Schwangerschaft. Available at: https://geburtsmedizin.charite.de/schwangere/fragen_und_antworten_zur_schwangerschaft/ (Accessed: 7 December 2016).

5) Liguori, L, De Francesco, G, Russo, P, Perretti, G, Albanese, D, & Di Matteo, M 2015, 'Production and characterization of alcohol-free beer by membrane process', Food And Bioproducts Processing, 94, pp. 158-168, ScienceDirect, EBSCOhost, viewed 8 December 2016.