India Pale Ale (IPA)

Das India Pale Ale (kurz IPA) ist eine stärkere Version des Pale Ale – sowohl, was Alkohol als auch Hopfenmenge betrifft. Nachdem der Ursprung dieses Bierstils im 19. Jahrhundert in Großbritannien gebildet wurde und seit dem vor allem in den USA zur Braukunst ausdifferenziert wurde, wächst der Absatzmarkt von IPAs auch in Deutschland stark an. Weltweit gehört das IPA zu den beliebtesten Craft Beer Stilen der Welt.

ipa infografik

 

Die Geschichte des India Pale Ale

Die ersten IPAs wurden im England des 19. Jahrhunderts gebraut. Wie der Name andeutet, wurden diese Biere schon bald nach ihrer Erfindung auch in die damaligen Kronkolonien exportiert. Um den langen, beschwerlichen Seeweg (den Suez-Kanal gab es noch nicht) zu überstehen, musste das Bier besonders haltbar gemacht werden. Da moderne Kühlanlagen noch erfunden werden mussten, erhöhte man den Alkoholgehalt der IPAs – und braute große Mengen Hopfen mit ein, denn auch der besitzt eine konservierende Wirkung. An dieser Stelle sei jedoch angemerkt, dass die britischen Truppen offenbar hauptsächlich Porter tranken. Das IPA war also nicht DAS Bier der Kronkolonien, sondern eines von mehreren. Das Gerücht, es sei üblich gewesen, die starken Ales in den Kolonien mit Wasser zu verdünnen, ist nichts weiter als eine Legende. Nirgends findet man einen historischen Beleg dafür. Darüber hinaus waren die meisten IPAs bereits vor der langen Schiffsreise schon recht alt und zum Teil mit Brettanomyces oder anderen wilden Hefen „infiziert“ (heute würde man sagen verfeinert). Schon ab den 1860er Jahren stieg die Popularität der IPAs auch in England selbst, wobei manche Brauer den Begriff „India“ strichen. Da die Konservierung nun eine wesentlich kleinere Rolle spielte, nahm der Alkoholgehalt vieler IPAs im Laufe der Zeit etwas ab. Die starke Hopfung – und vor allem das Hopfenstopfen – blieben jedoch fester Bestandteil des IPA-Brauens. Heute sind India Pale Ales vor allem in der amerikanischen Craftbeer-Szene sehr beliebt und werden oft mit amerikanischen Hopfen, wie Cascade, Citra, Amarillo, Centennial oder Chinook gebraut.  

West Coast IPA

Interessanterweise unterscheiden sich West Coast IPAs stellenweise recht stark von der Ostküsten-Version. An der Westküste liegt der Fokus in der Regel auf großen, stark gehopften und oft auch extrem bitteren India Pale Ales. Dies bezieht sich nicht nur auf die Menge des eingesetzten Hopfens, sondern auch auf die Sorte und den Zeitpunkt der Hopfengabe. Einem klassischen West Coast IPA werden schon während des Würzekochens große Mengen an Hopfen beigegeben, auch beim Stopfen im Kaltbereich wird meistens nicht gespart. Charakteristisch für diesen Stil sind neben tropischen Noten eher kräuterartige und oft auch an Pinie erinnernde Aromen, wie wir sie vom Sierra Nevada Torpedo IPA, oder vom Stone IPA kennen.

New England IPA

Eine relativ junge Spielart des India Pale Ale ist das sogenannte New England IPA (auch bekannt als NEIPA, Vermont IPA oder Milkshake IPA). Die Besonderheit liegt hier in einer sehr späten Hopfengabe (frühestens beim Whirlpool oft auch erst im Kaltbereich) und oft auch der Verwendung von Weizen- und Haferflocken. Dies hat drei Auswirkungen zur Folge: Das Bier ist relativ cremig im Mundgefühl, extrem trüb und weist kaum Bittere auf. Der Fokus liegt hier definitiv auf tropisch-fruchtigen Aromen und geringen IBU-Werten. Als Pioniere dieses Stils gelten "The Alchemist" aus Vermont, die mit ihrem Heady Topper IPA regelrechten Kultstatus genießen.

Imperial IPA / Double IPA und Single-Hop IPA

Wenn ein IPA mit außergewöhnlich großen Mengen an Hopfen und einem Alkoholgehalt von mehr als 7.5% Vol. gebraut wird, spricht man in der Regel von einem „Imperial IPA“ oder „Double IPA“. Dieser Bierstil wurde in den 1990ern an der Westküste der USA geprägt und findet inzwischen auch in der internationalen Craftbeer-Szene großen Anklang. Auch deutsche Brauer wagen sich seit einigen Jahren immer mehr an IPAs heran. Beliebte Kreationen sind beispielsweise die single-hop IPAs der Kehrwieder Kreativbrauerei, die IPAs vom Braukunstkeller oder die Biere von Hopfenstopfer. Nach wie vor gilt allgemein, dass, je weiter es in die westliche Richtung geht, desto mehr Hopfen für ein India Pale Ale verwendet wird. Die deutsche Craft Beer Szene orientiert sich aber immer mehr an den amerikanischen IPAs.

Das Brett-IPA

Wie weiter oben bereits angedeutet, war es früher nicht unüblich, IPAs (ob gewollt oder nicht) mit Brettanomyces-Hefe zu versehen. Im Laufe der Zeit war man jedoch immer mehr darauf bedacht, den doch recht gewöhnungsbedürftigen Eigengeschmack dieser besonderen Hefeart weitestgehend zu eliminieren. Der Hopfen sollte im Vordergrund stehen und diese Ansicht hielt sich bis vor wenigen Jahren in der internationalen Craftbeer-Szene. Seit einiger Zeit geht der Trend bei manchen Brauereien jedoch in eine andere Richtung: Man möchte historisch brauen und will zurück zum Brett-IPA der ersten Stunde. Der Experimentierfreudigkeit sind hier scheinbar keine Grenzen gesetzt. Vielen modernen Interpretationen dieses Bierstils ist jedoch gemein, dass sie einer starken Hopfenaromatik eine eher subtile Brettanomyces-Note entgegensetzen. Da man die Eigenarten der unterschiedlichen Brettanomyces-Stämme heute wesentlich besser kennt als früher, können so völlig neue Geschmacksnuancen geschaffen werden. Manche Brettanomyces-Arten produzieren recht fruchtige Ester, die mit den tropischen Fruchtaromen vieler amerikanischer Aromahopfen hervorragend harmonieren. 

Black IPAs

Ein wahrer Sonderling unter den India Pale Ales ist das sogenannte Black IPA. Diese relativ junge Variation des Stils zeichnet sich durch seine schwarze Farbe aus und ist rein optisch kaum von einem Porter oder Stout zu unterscheiden. Der Unterschied liegt im intensiven Hopfenaroma. Hier geht es um die Kombination von Röstaromen und süßlichen Malznoten mit den typischen Eigenschaften des Aromahopfens. Die meisten Black IPAs sind in der Regel nicht bitterer, sondern dank der Kalthopfung lediglich hopfenaromatischer. Tropisch anmutende Black IPAs sind deshalb keine Seltenheit.

Session IPAs

Als Session IPAs bezeichnet man solche India Pale Ales, die einen geringeren Alkoholgehalt aufweisen und deshalb auch zwischendurch oder in größeren Mengen getrunken werden können. Der Begriff "Session" stammt aus England und bezeichnete früher den Zeitraum eines Arbeitstages, währenddessen Bier getrunken werden durfte (ja, während der Arbeit). Damit die Fabrik- und Hafenarbeiter nicht zu betrunken wurden, wurden speziell dafür leichtere Biere gebraut, die ungefähr zwischen 3 und 4% Alkohol lagen. Heute gilt ein Bier in der Regel als Session-Bier, wenn es weniger als 5% Alkohol aufweist. Die Übergänge zwischen Session IPAs und Pale Ales sind eher fließend, wobei bei letzterem meist etwas weniger Hopfen verwendet wird. 

 

India Pale AleCharakteristika des India Pale Ale im Überblick

  • Farbe: durchschnittlich liegt sie bei 11 – 30 EBC (Bernstein bis hin zu Kupfer)
  • Bittere: deutlich wahrnehmbar im Antrunk, oftmals entfaltet sie sich erst im Nachtrunk. Durchschnittlich betrachtet liegt die Bittere bei 40 – 60 IBU (International Bitterness Unit), kann aber auch, wie zum Beispiel beim Hardcore IPA von BrewDog, bei weit über 100 IBU liegen.
  • Stark ausgeprägtes fruchtiges Hopfenaroma in der olifaktorischen und gustatorischen Wahrnehmung.
  • Stammwürze: 12,5 – 18,5 °P.

 

Tipp für den Brauer eines IPAs

Das Aroma eines India Pale Ales wird umso intensiver, je weniger der verwendete Aromahopfen in Kontakt mit der Hefe kommt. Weil der Aromahopfen zentraler Bestandteil des Brauvorgangs ist (ebenso auch dessen Aromatik im Geruch und Trunk), wird oftmals nach der richtigen Kalthopfung gefragt. Hierzu hat Markus Hoppe von Hoppebräu ein paar wertvolle Tipps.

 >> Ein interessantes Interview mit Thomas Tyrell von Stone Brewing Berlin zum Thema "IPA"

 

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India Pale Ale (IPA) Steckbrief:

IBU: 40 - 60 IBU
EBC: 11 - 30 EBC
Alkoholgehalt: > 7.5% vol.
Stammwürze: 12,5 - 18,5 °P.
Speisen: Käse, Thai-Food, Desserts
Hefe: obergärig

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