Craft Beer: Eine Erklärung

craftbeer

Was ist Craftbeer (oder Craft Beer oder Craft Bier)? Inzwischen dürfte man bei der Frage nicht mehr ausschließlich in ratlose Gesichter blicken. Selbst die deutschen Massenmedien haben den Begriff inzwischen entdeckt, Craft Beer ist „cool“ und es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis das Phänomen in der Mitte der (deutschen) Gesellschaft angekommen ist. Jedoch trifft es den Nagel auch ziemlich auf den Kopf. Im Grunde handelt es sich hierbei um handwerklich gebrautes Bier, bei dem hochwertige Zutaten, unkonventionelle Geschmacksrichtungen und das Wiederbeleben alter Brau-Traditionen im Fokus stehen.
Craft Breweries stehen damit den großen Braukonzernen gegenüber, die industrielles Bier im großen Stil produzieren und darauf bedacht sind, geschmacklich konstant zu bleiben und möglichst wenig von der „Norm“ abzuweichen. Tradition und Weiterentwicklung sind für Craft Breweries kein Widerspruch, im Gegenteil: Die Tradition des Bieres ist eine Geschichte die es nicht nur zu bewahren gilt, sie soll auch weiterentwickelt und weitererzählt werden. Doch immer die gleiche Geschichte zu erzählen, wäre langweilig. Genau deshalb wird vielen Craft-Brauern eine gewisse rebellische Haltung unterstellt.

Craft Beer

Craft Beer

Diese rebellische Haltung zeigt sich beim Craft Beer nicht nur im Geschmack der überwiegend durch hochwertige Aromahopfen erzielt wird (vergleichsweise dazu verwenden große Braukonzerne die günstigeren und weniger aromatischen Bitterhopfen), sondern manchmal auch durch die bewusste Missachtung des Reinheitsgebots. Dieses wird in den Augen der meisten Craftbeer Afficionados als längst überholt angesehen. Nicht nur lässt das Reinheitsgebot zahlreiche chemische Filtrierungsprozesse zu, es steht einer kreativen Braukultur definitiv im Weg. Früher war es selbstverständlich Bier mit Kräutern und anderen natürlichen Zutaten zu brauen. Oliver Wesseloh fordert deshalb beispielsweise ein Umdenken bei deutschen Brauern und postuliert ein Natürlichkeitsgebot anstelle des Reinheitsgebots. Oftmals fallen Craft-Biere auch durch provokative Logos und Namen wie "Zombie Dust" oder "Dead Pony Club" auf. Dass die Größe einer Brauerei nicht mehr das einzige Kriterium einer Craftbeer Brewery ist, zeigt sich am Beispiel Brew Dog, eine schottische Brauerei, die inzwischen international tätig ist, große Mengen produziert und sich dabei dem Leitsatz immer treu bleibt: Craft Beer von sehr guter Qualität mit hochwertigen Inhaltsstoffen zu brauen und dabei immer zu versuchen, neue experimentelle Biere zu entwickeln.

Die Entwicklung des Phänomens „Craft Beer“

Vielen dürfte der Begriff „Microbrewery“ noch etwas sagen. Dabei handelte es sich um kleinere Brauereien in den späten 1970er Jahren, die erst in England, dann in den 80ern auch in den USA, dem Einheitsbrei der Mega-Brauereien Einhalt gebieten wollten, und sozusagen den Geist des Craft Beers gründeten. Dass der ursprünglich, v.a. in den USA, verwendete Begriff „Microbrewery“ heute nicht mehr ganz passend ist, hat unter anderem damit zu tun, dass viele dieser Brauereien inzwischen extrem gewachsen sind und regelrechten Kultstatus genießen. Auch wenn die Produktionsmenge einer Craft-Brauerei der einer industriellen Großbrauerei noch lange nicht das Wasser reichen kann (und will), ist der Terminus „micro“ längst nicht mehr angebracht. Das hat nicht nur mit der Größe vieler Craft-Breweries zu tun, sondern auch mit der Anzahl. Gab es 1973 nur 122 Brauereien in den USA, sind es heute über 2.800. Wenn dieser Trend in Deutschland ähnlich verläuft, sollte man sich um das Brauereisterben bald keine Sorgen mehr zu machen brauchen.

Was zeichnet eine „Craft Brewery“ aus?

Eine Craft-Brewery in Deutschland genau zu definieren fällt heute recht schwer. Ist Georg Schneider mit seinen berühmten Weißbiervariationen kein Craft-Brauer, nur weil er sehr viel Bier produziert? Was ist mit kleinen fränkischen Landbrauereien? Sind die keine Craft-Brauer, nur weil auf ihrer Bierliste kein IPA und kein Imperial Stout steht? In unseren Augen völliger Quatsch. Trotzdem lohnt es sich immer wieder, die neue Generation der jungen Wilden nicht aus den Augen zu verlieren. Brauereien, wie Brewdog aus Schottland, Dogfish Head aus den USA oder Camba Bavaria aus Deutschland (um wirklich nur eine winzig kleine Auswahl zu nennen), bereichern die internationale Bierwelt um fantastische Biere, die man v.a. hierzulande lange nicht für möglich gehalten hat. „Craft“ kommt dann zum Tragen, wenn jemand mit Leidenschaft hinter seinem Produkt steht. Wenn kommerzieller Erfolg nicht höchste Priorität hat. Und nicht zuletzt, wenn an Grenzen gegangen wird. Grenzen des Möglichen, Grenzen des (guten) Geschmacks, Grenzen der Kreativität.

Eine Meinung dazu von Alexander Himburg von Himburgs Braukunstkeller:

Craft Beer kaufen

Wo kann man Craft beer kaufen? Grundsätzlich gibt es in jeder größeren Stadt Getränkeläden, die in ihrem Sortiment auch einige Craft Beer Spezialitäten führen. Einige von ihnen legen sogar einen größeren Fokus darauf. Einfach mal unseren Craftbeer Location Finder ausprobieren. Wer keinen derartigen Händler in der Nähe hat, ist manchmal auf Online-Shops angewiesen. Empfehlenswert ist zum Beispiel das Sortiment vom Online-Store bier-deluxe.de. Die Auswahl an IPAs ist sehr groß, ebenso lassen sich auch zu allen anderen Biersorten, wie zum Beispiel belgische Ales, Stouts, oder Barley Wines einige Schätzchen finden. Einziges Manko: Für einen kostenlosen Versand muss das Bier im Warenkorb einen satten Wert in Höhe von 75 € haben. Wer aber wirklich Craft Beer zu schätzen weiß, der wird gerne mal eine größere Bestellung aufgeben. Ein weiterer Store, mit zum Teil außergewöhnlicher Auswahl, ist craftbeerstore.de (betrieben von Ratsherrn aus Hamburg). Auch bierpost.de hat viele außergewöhnliche Biere im Angebot.

Weitere Informationen

Wer noch mehr Informationen zum Thema „Craft Beer“ möchte, dem legen wir die Dokumentation „Craft Beer – A Hopumentary“ wärmstens ans Herz: